KARLSBADER OBLATEN – GESCHICHTE

Seit Jahrhunderten rufen die Karlsbader Oblaten die einzigartige Atmosphäre des bekannten Kurortes wach. Ihre lockere Leichtigkeit, ihr unnachahmlicher Duft und köstlicher Geschmack verleiteten schon manch eine berühmte Persönlichkeit. Die Oblaten genossen beispielsweise der russische Zar Petr der Große, Wolfgang Amadeus Mozart oder die bekannten Dichter J. W. Goethe und F. Schiller.

 

Auch wenn es sich bei den Oblaten um eine der typischen Karlsbader Spezialitäten handelt, sind wir uns über deren Ursprünge nicht im Klaren. Die erhaltenen Backformen, sog. Oplat-nice – die älteste stammt ungefähr aus dem zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts – sind die ersten Existenzbeweise der süßen, runden Oblaten. Der duftende Leckerbissen hatte damals einen Durchmesser von nur etwa 13 cm, schon zu dieser Zeit war er jedoch auf verschiedene Weise verziert. Die erste schriftliche Erwähnung der Karlsbader Oblaten ist in einem Karlsbad-Reiseführer aus dem Jahr 1788 zu finden. Sie bezeugt, dass die Oblaten ursprünglich in den Haushalten hergestellt wurden — eine Tradition, die noch acht weitere Jahrzehnte, bis zur Gründung der ersten richtigen Oblaten-Bäckerei, aufrechterhalten wurde.

Dies geschah in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, als die Anfrage nach Oblaten das Angebot so sehr übertraf, dass sie von der häuslichen Herstellung nicht mehr zufriedenzustellen war. 1867 entstand also die Gesellschaft Karl Bayer. Ihre Anfänge sind mit Barbora Bayerová (geboren Naslerová) verbunden, einer Oblaten-Liebhaberin und geschickten Bäckerin, die einen unglaublich mürben Teig herzustellen vermochte. Unter ihrer Führung wuchsen die Gesellschaft sowie die Beliebtheit der heißen Oblaten beträchtlich. An ihre Erfolge knüpften auch ihr Sohn und Enkelsohn an, was auch mehrere internationale Auszeichnungen, wie zum Beispiel die anlässlich der Weltausstellung in Paris verliehene Auszeichnung, beweisen können. Die Karlsbader Oblaten wurden in viele europäische Länder (unter anderem nach Spanien, Deutschland, Rumänien oder Russland) ausgeführt, während die Gesellschaft zum privilegierten Oblaten-Lieferanten für den deutschen und österreichisch-ungarischen Kaiserhof wurde.

 

Ihren Ehrenplatz an der Spitze der Beliebtheitsskala bestätigten die Oblaten am Ende des 19. Jahrhunderts, als die Anzahl der Oblaten-Bäckereinen in Karlsbad von den lediglich 8 im Jahre 1888 auf 22 im Jahre 1904 anwuchs.

 

Die ersten Schwierigkeiten tauchten nach dem Anfang des Ersten Weltkrieges auf, als mit sofortiger Wirkung verboten wurde, Weizenmehl, Butter und Zucker für industrielle Herstellung von Süßigkeiten zu verwenden. 1916 trat dann ein allgemeines Verbot der industriellen Oblaten-Herstellung in Kraft. Den berühmten Namen der Karlsbader Oblaten belebte Karl Bayers Sohn Karl jun. Nach seinem Tod im Jahre 1932 übernahm die Fabrik sein Bruder Herbert Bayer, der jedoch im Zweiten Weltkrieg seinen Militärdienst antreten musste. Noch dazu wurde die Bäckerei im April 1945 bei einem Luftangriff auf Karlsbad beschädigt.

 

Die Herstellung der Karlsbader Oblaten wurde auch nach 1945 fortgesetzt, Ende Oktober 1949 wurden jedoch sämtliche Betriebsstätten der Oblaten-Hersteller in der ganzen Region im Rahmen der dem Februarumsturz folgenden Verstaatlichung enteignet, wodurch der Staatsbetrieb Karlsbader Oblaten-Bäckereien (Karlovarské oplatkárny) entstand.

Dieser wurde mehrmals umbenannt, 1974 entstand die Gesellschaft Kolonáda, in der die übernehmende Gesellschaft Čokoládovny, a.s. Opavia, ein Teil des Lebensmittelkonzerns Danone, die Herstellung am 1. Januar 1999 übernahm. In Karlsbad wurden die Oblaten bis 1989 von der Gesellschaft Orion, einer Karlsbader Filiale der Gesellschaft Kolonáda, hergestellt.

 

Mit der Oblaten-Herstellung in Karlsbad fuhr nach 1990 die Gesellschaft Otto Malý – Bodam fort, die 2008 in Karlovarské oplatky s.r.o. umbenannt wurde und dem Verband der Karlsbader Oblaten-Hersteller (sdružení výrobců karlovarských oplatek) angehört. Ungefähr seit 2008 werden in der Region Karlsbad jährlich ca. 30 Tonnen Oblaten hergestellt.

 

Der Verband der Karlsbader Oblaten-Hersteller führte ab 2004 einen Rechtsstreit um den Namen Echte Karlsbader Oblaten (Originální Karlovarské oplatky) beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg. Der Verband verteidigte sich unter anderem auch damit, das sprudelnde Karlsbader Heilwasser sei ein untrennbarer Bestandteil der Herstellung echter Karlsbader Oblaten und nehme einen maßgeblichen Einfluss auf den Geschmack sowie die Befeuchtung der Oblaten-Teigplatten. Die Gesellschaft Karlovarské oplatky s.r.o. musste also warten, bis die EU am 28. Juli 2011 die geschützte geographische Angabe bestätigte. Zurzeit stellt die Gesellschaft Karlovarské oplatky s.r.o. Karlsbader Oblaten mit der Bezeichnung g. g. A., Kurortdreiecke (lázeňské trojhránky) und als alleiniger Besitzer der Schutzmarke auch Oblaten unter dem Namen Karlsbader Oblaten her. All das in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Größen und Grammgewichten.

 

So können Sie den traditionellen Karlsbader Leckerbissen in einer fast unveränderten Form auch heute bei einem Spaziergang auf der Kurpromenade genießen. Seit fast 150 Jahren sind die mürben Oblaten untrennbar mit unserem größten Kurort verbunden und es gibt kaum einen Besucher, der nicht zumindest eine Packung mit nach Hause nimmt, um bei jedem Biss wieder an die magischen, in Karlsbad verbrachten Augenblicke erinnert zu werden.

 

 

Copyright © 2016, Karlovarské oplatky, s.r.o.

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